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Grabgeflüster

By Máirtín Ó Cadhain

Tagairt: 9783520601018  

Is é seo an leagan Gearmainise den leabhar Cré na Cille le Máirtín Ó Cadhain 

Stellen Sie sich vor, Sie sind tot, und das ganze Elend geht einfach weiter. In Máirtín Ó Cadhains Cré na Cille sind sämtliche Protagonisten tot und begraben, doch unter der Erde treffen sie sich wieder – und jammern, lästern, schimpfen, fluchen und intrigieren, was das Zeug hält. Die Hölle? Vielleicht. Vor allem aber ein sprachliches Feuerwerk, dessen Autor nicht zu Unrecht als der irischsprachige Joyce gilt.


Ó Cadhains Kultroman von 1949 ist das wichtigste Buch des gälischsprachigen Irland, ein Mythos im übrigen Irland – bis sich Alan Titley an die erste englische Übersetzung wagte, erschienen im Mai 2015 als The Dirty Dust; etliche Sprachen folgen. Auf Deutsch erscheint der Roman am St. Patrick’s Day 2017 (17. März). Ins Deutsche übertragen hat ihn die bekannte Übersetzerin Gabriele Haefs.

Praghas: €25.00

Léirmheas

Der Mythos wird im Grab lebendig, Die Rezensentin: Anna Löwe http://www.leipziglauscht.de/

Gabriele Haefs legt die erste deutsche Übersetzung von Máirtín Ó Cadhains Roman »Grabgeflüster« vor und präsentiert sie gemeinsam mit dem irischen Verleger Micheál Ó Conghaile im Morrison’s Irish Pub.

Es gibt einen Ort, da ist alles besser. Der Ort ist nicht hier, darum ist er besser. Und er ist nach dem Leben. Nach einem anstrengenden Dasein wird es zweifellos friedlich sein im Grab. Vielleicht gibt es angenehme Plaudereien zwischen den Verstorbenen. Sie erzählen sich schöne Geschichten über Zeiten, als sie noch jung und knackig waren. Diese Annahme ist ein Irrtum. Das wissen nun all jene Eingeweihten, die sich während einer nächtlichen Lesung im Morrison’s Irish Pub dem einzigen Werk hingaben, das sich neben der Bibel angeblich in jedem irischen Haushalt befindet.

Von Toten, die sich dort zerfleischen, wo kein Fleisch mehr ist, handelt das Buch des Iren Máirtín Ó Cadhain, das ausschließlich aus wörtlicher Rede besteht. Ausgerechnet dort, wo der Tod herrscht, wird der Mythos lebendig. Es ist kaum zu durchschauen, welche Figur gerade das Wort ergreift und ob das, was sie erzählt, der Wahrheit entspricht. Ein Durcheinander an Beschimpfungen, Keifereien, Intrigen und Hasstiraden. Jeder Satz stellt den Leser vor erneute Rätsel.

Das, was das Buch selbst an Mythos bietet, soll in der Lesung detailliert weitergeführt und inszeniert werden: Der 1970 verstorbene Ó Cadhain wird bereits zu Beginn als solch ein Mythos bezeichnet. »Grabgeflüster«, geschrieben in mehreren gälischen Dialekten, galt bisher als unübersetzbar. Welch Herzblut dahinter steckt, ausgerechnet diesen Text ins Deutsche zu übertragen, ist dem anhaltenden Lächeln Gabriele Haefs zu entnehmen. Während sie ihre Übersetzung wie für sich selbst vorliest, scheint das Publikum mehr vom Klang der Worte als vom verworrenen Inhalt fasziniert. Der Eindruck steigert sich, als ein weiterer Mythos ins Spiel kommt: die gälische Sprache. Der irische Verleger Micheál Ó Conghaile wirkt, als spräche er Beschwörungsformeln, als er aus dem 1949 erschienen Originaltext vorliest. Der tiefe Wunsch, diese vom Aussterben bedrohte Sprache lebendig zu halten, kommt hier also ausgerechnet in einem Buch über das Totenreich und dessen boshaften Bewohner zum Ausdruck

Grabgeflüster von Martín Ó Cadhain, Karin Braun liest, Aibreán 22, 2017

Lesen Sie die Originalbewertung bei diesem Link: http://lesen-gefaehrdet-die-dummheit.de/grabgefluester-von-martin-o-cadhain/

Von letzter Ruhe kann hier wirklich nicht die Rede sein. Denn die Toten machen in der Friedhofserde, der Originaltitel ist Cré na Cille = Friedhofserde, einfach weiter wie gehabt. Sie pflegen ihre Fehden, sie rechten und streiten. Hat über der Erde gezählt wieviel Land, Geld, Silberkannen und Besitz man hatte, dort unten ist wichtig, ob man in der Pfund oder 15 Shilling Abteilung begraben ist, wieviel die Kollekte bei der Beisetzung gebracht hat und ob man ein Kreuz von seinen Angehörigen bekommt. Vorzugsweise eines aus dem Kalkstein der Araninseln. Im Grunde ändert sich also nichts, man ist halt nur tot und muss sich mit dem Vergangenen begnügen, denn Zukunft gibt es keine mehr.

Martín Ó Cadhain gilt als der irischsprachige James Joyce und ist in seiner Heimat hochgeachtet. Er wurde 1906 in der Nähe von Galway geboren und hat, so erzählt man sich, bis zu seinem sechsten Lebensjahr kein Wort Englisch gesprochen. Die Gegend in der er wurzelt, die Gaeltracht, also die Ecke im Westen Irlands, in der zur Hauptsache Gälisch gesprochen wurde, ist auch der Handlungsort dieses Buches. Das Original ist 1949 erschienen und das Buch galt lange als nicht zu übersetzen. Was allerdings von Gabriele Haefs, mit dem vorliegenden Werk brilliant wiederlegt hat.

Grabgeflüster ist kein Roman, es wird keine kohärente Geschichte erzählt, es besteht hauptsächlich aus Dialogen und Dialogfetzen, aus denen sich mit der Zeit die Verbindungen der Toten zueinander herauskristallisieren. Das ist aber im Grunde nicht wichtig. Denn durch die Geschichten, die die Toten erzählen, wird eine andere deutlich, nämlich die wie Land und Leute so lebten. Wie hart ihr Leben in diesem kargen Landstrich war und welche Arbeiten und welche Rituale ihren Tag bestimmten. Dieses Buch ist ein sprachliches Feuerwerk und funkelt und strahlt auf jeder Seite. Es dauert vielleicht ein wenig, bis man sich auf das Konzept einlassen kann, aber dann ist man als Beobachter in der Friedhofserde und hört dem Geschimpfe von Caitríona Pháidín zu und dem französischen Soldaten und Kneipen Pedar und all den anderen, dort in der Friedhofserde.

Es ist ein anspruchsvolles Buch, denn es ist kein gemütlicher Irlandaufenthalt. Sehr schön ist, dass es einen ausführlichen Anhang zu Ereignissen und Begriffen gibt, sowie eine kleine Einführung in die irische Sprache.